Marteniza

Chestita Baba Marta! - begrüßen sich heute, am 1. März alle in Bulgarien. Direkt übersetzt, heißt das so viel wie "Frohe Oma März!". Diese Begrüßung mag etwas komisch wirken, noch merkwürdiger ist allerdings was nach der Begrüßung folgt: einem wird entweder ein weiß-rotes Bändchen um den Handgelenk gebunden, oder zwei kleinen Wollpüppchen - Mann und Frau, die an einem Faden zusammengebunden sind, an das Hemd oder den Pullover, oder auch am Kragen gesteckt. Wenn man Glück hat, dann ist der Schenkende ein Kind und während des Bindens wird noch ein

kleines Liedchen gesungen ("Oma März hatte es eilig, sie hat Martenizi gebunden, weiße und rote..." und so weiter).

 

Dies ist ein jahrhundertalter bulgarischer Brauch, der am 1. März und die Woche danach stattfindet. Die Martenizi sollen Gesundheit und Glück bringen und vor bösen Geistern schützen. Sie werden in den Wochen vor 1. März meistens von den Omas selbst geknüpft, gedreht oder geflochten. Was macht man aber in Deutschland, um die bösen Kräfte zu vertreiben? Entweder kennt man Bulgaren und hofft, dass sie einem mit Marteniza beschenken, oder man bucht bei uns eine Individaulreise nach Bulgarien für Anfang März und stellt vor Ort fest, dass Traditionen auch moderner werden und Martenizi überall auf den Straßen verkauft werden. Aufgrund der Globarisierung gibt es mittlerweile sogar die ersten in China produzierten Martenizi und die ersten Facebook-Gegenbewegungen zum Schutz der in Bulgarien produzierten "Bulgarische Marteniza".

 

Wer darf wem Marteniza schenken? Das ist ganz einfach - jeder jedem (selbst die Haustiere bekommen eine Marteniza). Natürlich gibt es einige Pflichtschenker- und -beschenkte, wie z.B. jeder Schüler schenkt eine Marteniza seiner Lehrerin, Mitarbeiter - dem Chef, Eltern - den Kindern, Verliebte, Verlobte, Freunde beschenken sich gegenseitig, etc. Am Ende des Tages hat man viele Martenizi gasammelt, so dass beide Handgelenke voll mit den weiß-roten Bändchen geschmückt sind. Und dann stellt sich natürlich die Frage - wie lange?

 

Die Marteniza - dieses ganz besonderes Geschenk - muss man bis zum Frühlingsanfang tragen. Und da der Begriff "Frühlingsanfang" schon etwas sehr subjektives ist, gilt folgende Vorgehensweise:

  •  wenn man eine Schwalbe sieht, oder einen Storch, dann darf man die Marteniza ablegen und unter einem großen Stein verstecken und sich den Ort gut einprägen. Weil man nächstes Jahr dort zurückgehen sollte, um nachzuschauen, ob sich unter dem Stein viele Ameisen (notfalls auch andere Insekten) befinden. Ist das der Fall, wird man unermäßlich viel Glück und Gesundheit haben.
  • wenn man den ersten blühenden Baum sieht, legt man die Marteniza ab und hängt sie an den Baum. Ein Ameisentest findet in diesem Fall nicht statt, aber dennoch gilt, man wird gesund und glücklich sein.

 

Wir wünschen euch allen Chestita Baba Marta und einen sonnigen Frühling voller Lachen!

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